Eine junge italienische Saucenmarke bat uns um ein Logo. Wir haben sechs zurückgegeben — jedes als eigenständiges Unternehmen präsentiert. Die eigentliche Aufgabe war nicht, ein Zeichen zu zeichnen; es war, eine Entscheidung zu erzwingen: Wo will Salvelli zuhause sein — im Supermarktregal, am Esstisch oder im Geschenkshop?
Die meisten Branding-Aufträge enden mit einem Logo. Salvellis Auftrag begann stattdessen mit einer strategischen Frage: Ein Glas italienische Sauce kann in sehr unterschiedlichen Räumen wohnen. Ein Degustationsrestaurant. Eine Sonntagsküche. Ein Supermarktregal auf 1,2 Metern. Ein Geschenkset im Feinkostladen. Jeder Raum belohnt ein anderes Zeichen. Also haben wir sechs gezeichnet — eine redaktionelle Wortmarke, die Signatur eines Maestros, ein Trattoria-Script, ein Retail-Schild, ein minimales System und einen Premium-Weg ohne Logo — und jedes präsentiert, als wäre es die einzige Antwort.
Jede Saucenmarke sprintet auf das Tricolore zu — grüner Streifen, weißer Streifen, roter Streifen, fertig. Wir haben stattdessen aus Zutaten geschöpft. Pomodoro, Basilico, Terracotta, Panna. Auf den ersten Blick liest es sich als Italienisch (Rot und Grün machen noch die Arbeit), aber es gibt dem System Reichweite: Erdtöne für die rustikale Richtung, tiefes Grün für redaktionell, Creme für Premium. Farbpsychologie statt Farbklischee.
Die typografische Hierarchie übernimmt die Positionierungsarbeit. DM Serif Text trägt die Stimme, die die Marke in ihren Überschriften haben will — redaktionell, angerichtet, langsam gesprochen. Outfit übernimmt alles, was der Serif nicht sollte: Preisschilder, Nährwertangaben, die winzige App-UI, an der niemand die Augen zusammenkneift. Eine Stimme für die Speisekarte, eine für die Quittung.
Eine strategische Erkundung — kein Logo-Entwurf gefolgt von Korrekturen. Jede Richtung musste für sich selbst stehen.
Drei Supermärkte abgelaufen, das Saucenregal fotografiert, den Gründer interviewt. Die Lücke identifiziert: Jede italienische Saucenmarke läuft auf dasselbe Klischee zu — Flaggenstreifen, rotes Karo, Nonna-Silhouette.
Sechs Territorien, jedes bewusst in einem anderen Quadranten: redaktionell, Signatur, rustikal, Schild, modern, Premium. Jedes als eigenständiges Unternehmen präsentiert — nicht als Variante desselben Zeichens.
Jede Richtung auf der Verpackung gerendert, auf der sie verkauft würde — Nudel-Glas, Passata-Karton, Geschenk-Dose, Tomatenmark. Jede auf Regalabstand getestet, als Vorschaubild, im Vorratsschrank.
Ein navigierbares Scroll-Deck neben einem Print-PDF präsentiert, damit der Gründer im echten Maßstab vergleichen konnte. Sechs Live-Moodboards, ein 45-minütiges Gespräch, um zu entscheiden, welche Tür Salvelli zuerst öffnet.
Ein PDF im E-Mail-Anhang ist ein Friedhof für Logo-Richtungen. Wir haben den Pitch stattdessen als navigierbare Microsite gebaut — ein vollflächiger Bildschirm pro Richtung, jeder in seiner eigenen Welt gekleidet (Farbe, Schrift, Stimmung), damit der Gründer durch sechs Räume ging, bevor er einen wählte. Scroll-Snapping, Pfeil-Navigation rechts, als 16:9-Deck fürs Meeting druckbar.






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